Sie sind hier: Tauchschule Biologie/ Wissen Krebse, Langusten, Krabben  
 BIOLOGIE/ WISSEN
Krebse, Langusten, Krabben
Tauchparadiese aus Menschenhand
Meereswälder Mangroven
Diverses vom Bionaut
 TAUCHSCHULE
Naturschutz
Ausbildungsstätten
Tauchkurse
Ausbildungsvereinbarung
Tauchsportuntersuchung
Biologie/ Wissen
Technik/ Wissen
Sicherheit im Tauchsport
Deep Stop

KREBSE, LANGUSTEN, KRABBEN
 

Krebse, Langusten und Krabben

Krebse waren schon im frühen Erdaltertum auf dieser Erde und sind somit eine sehr erfolgreiche Tiergruppe. Heute unterscheidet man 35.000 Arten, das sind viermal soviel Arten wie die heutige Vogelwelt.
Sie sind im Meer entstanden und sind in ihrer Mehrzahl auch dort geblieben, leben aber auch im Süßwasser und eine geringere Zahl an Land.
Man unterscheidet in dieser Gruppe niedere und höhere Krebstiere, die in keinem Falle erdgeschichtlich in alt oder jung, groß oder klein eingeordnet werden können, denn es gibt große Fossile von Krebstieren, die heute nicht mehr existieren und niedere Krebse von großer Bedeutung. Aus der Ordnung „ Niedere Krebse“ seien nur Milben, Zecken, Asseln, Ruderfuß-krebse, Wasserflöhe etc. genannt.

Ich möchte populistisch bleiben und diese Begriffe eher auf der Speisekarte oder Fischladen auseinanderhalten, denn die kulinarischen Namen werden durch Traditionen, regionalen Einflüssen und geschickter Vermarktung sehr uneinheitlich und zuweilen wissenschaftlich falsch wiedergegeben.
So kauft man „Hummerkrabbenschwänze“ und es sind ordinäre Süßwassergarnelen
( Macrobrachium rosenbergii).
Die kulinarischen und bei Nachttauchgängen mit besonderer Freude beobachteten und Krebse gehören alle zu den Zehnfüßlern, den Decapoden (deca = zehn; poda = Fuß)
Gezählt werden die Schreitbeine, die am Vorderkörper ansetzen und mit dem Kopf fest verwachsen sind + das erste Paar, das häufig zu kräftigen Scheren umgebildet ist.

Die Decapoden werden in drei Kategorien eingeteilt:
Langschwanzkrebse (Macrura)
Mittelkrebse (Anomura)
Kurzschwanzkrebse oder Krabben (Brachyura)

Hummer und die im Süßwasser lebenden Flusskrebse mit den großen Scheren entsprechen dem Urbild des Krebses.
Dies haben auch der Amerikanische und Europäische Hummer, sowie die weniger bekannten Kaisergranat (Nephrops norvegigus), von oben gesehen, einen stumpf endenden Hinterleib.

Obwohl sie Hummern ähneln, gehören Langusten zu einer weiteren Langschwanz-Familie. Deutlicher Unterschied:
Kleine Scheinscheren gegenüber der kräftigen Zangenwerkzeuge der Hummer.
Wehrhafte Antennen.
Langusten leben in den Sub- und Tropen (Hummer in kälteren Regionen)

Bei Bärenkrebse sind diese Antennen zu kurzen, breiten, platten, abgerundeten, vorne gezähnten Lamellen umgebildet. Sie sind Bodenbewohner, haben keine Scheren und sind im Ganzen abgeflacht. Ausgewachsen können sie 50 cm lang werden.
Wegen Überfischen sind sie stark gefährdet.

Als Prawns, Gambas, Grevetten, Schrimps oder Scampi (ital.: Singular: Scampo) kommen Garnelen in den Handel, wobei die Bezeichnungen keiner bestimmten Garnelenart zugeordnet ist.
Sie haben ebenfalls einen langen, muskulösen Hinterleib, der aber in der Seitenansicht gegabelt und spitz endet.
Auf den Markt kommen die bis zu 35 cm in Südostasien gezüchteten Bärengarnelen (Penaeus monodon), Hummerkrabben, oder die als Nordmeergarnele bekannten Grönland-Shrimps (Pandalus borealis). Diese Bezeichnungen sind wissenschaftlich durch nichts zu begründen.

Die echten Krabben sind die formenreichste Gruppe der ZEHNFÜßLER: Ein Schwanz ist von oben gesehen, nicht mehr zu erkennen, denn beim Übergang vom letzten Larvenstadium wird der Hinterleib kurz und flach und fest unter das Vorderteil geschoben. Dadurch verlagert sich der Schwerpunkt zwischen die Schreitbeine und so sind die Tiere sehr schnell unterwegs. (Dies hat so mancher Unterwasserfotograf feststellen müssen).
Die Schwimmkrabbe hat durch eine paddelförmige Ausbildung der hinteren Schreitbeine die Schwimmfähigkeit wieder erlangt.
Seespinnen haben mit Spinnen nichts zu tun, sondern sind echte Krabben. Den Namen verdanken sie ihren langen Beinen.
Eine Familie der Anomura sind Springkrabben oder Langostinos genannt. Sie haben einen kurzen, aber dennoch breiten Schwanz, den sie nach unten-vorn klappen können.
Sehr interessant für uns Taucher sind die Einsiedlerkrebse. Bei ihm sind die Eingeweide und somit die gefährdeten Körperteile in den Hinterleib verlagert und er schützt diesen Teil mit einer Schneckenschale, die er, da er wächst und sich häuten muß, ebenso wechseln muß. Dies ist für ihn die gefährlichste Zeit. Auch baut er einen weiteren Schutz auf, denn mit seinen langen Scheren löst er auch Anemonen vom Boden, also nesselnde Tiere, und platziert diese auf dem Schneckenhaus. Kein Feind will sich nesseln und lässt ihn somit in Ruhe. Für ihn ist es ein Schutz und die Anemone wird ständig zu neuen Futterplätzen geführt.
Unter den Einsiedlern gibt es auch Landtiere, den bis zu 10 kg schweren Palmendieb (birgus latro). Nur für seine Larven braucht er noch Wasser.
Von besonderer Farbschönheit sind die vorwiegend in wärmeren Meeren lebenden Fangschreckenkrebse. Sie sind sog. Maulfüßler, denn bei ihm sind die ersten drei Beinpaare zu Mundwerkzeuge umgewandelt. Das Zuschlagen der Fangarme erfolgt innerhalb von drei Millisekunden und ist somit die schnellste Bewegung im Tierreich.

Wenn man einen Taucher, im Sand verharrend, Kamera im Anschlag, sieht, so will er eine Symbiose zwischen einer Grundel und einem Knallkrebs (Alpheidae) fotografieren. Beim Knallkrebs sind die größeren der ersten beiden Scherenbeine zu einer wirksamen Waffe umgewandelt. Der Schnapp- und Knallmechanismus besteht aus einem abgerundeten Zapfen, der genau in eine runde Grube in dem starren, kleineren Scherenfinger passt. Er öffnet den beweglichen Finger, spannt die Muskeln an und überwindet den Zapfen. Die Schere wird in die Grube geschmettert aus der das Wasser als kräftiger Strahl herausgepresst wird. Er ist so stark, dass er andere Krebse, sogar kleinere Fische, töten kann. Sie sind fast blind, fertigen lange Grabengänge im Sand, die sie ständig freibaggern. Gern teilen sie die Höhle mit einer Grundel, die den Krebs bei Gefahr warnen und sie verschwinden beide in der Höhle. Den Knall kann man hören, aber dass durch die Druckwelle Scheiben eines Aquariums brechen, erscheint unwahrscheinlich.
Zum Schluss etwas Aufklärung in Sachen Sex (natürlich bei Schalentiere)
Die meisten Zehnfüßler leben in Höhlen, Spalten und Ritzen.
Auch wenn das Männchen größer, mit überdimensionalen Waffen, hart gepanzert ist, so bietet er seiner Angebetenen sehr zurückhaltend seine Höhle zum gemeinsamen Aufenthalt an. Beim Sex herrscht strikte „Damenwahl“ und die Dame geht eine Wohngemeinschaft auf Zeit ein. Nach ritualem Scherenkreuzen ist diese "Lebensabschnittgemeinschaft" besiegelt und seine Aufgabe ist die Verteidigung der Höhle. Das Weibchen vollführt in der Höhle einen Striptease, sie legt den Panzer ab, sie häutet sich und dann darf das Männchen ran –Bauch an Bauch- sekundenschnell deponiert er seine Samenpakete in der Geschlechtsöffnung des Weibchen und danach zeigt er sich als wahrer „Ritter“, denn er bewacht und verteidigt sein wehrloses Weibchen gegenüber Fischen und Rivalen gnadenlos.
Nach etwa zwei Wochen ist der Panzer völlig ausgehärtet und das Weibchen verlässt die Höhle und geht ihre eigenen Wege. Je nach Alter produziert sie bis zu 75.000 Eier, befruchtet sie mit den Spermien und klebt sie unter den Hinterleib. Nach zwölf Monaten entlässt das Weibchen die Larven als treibendes Plankton und das Krebstierchen beginnt nach zwei Monaten ein verstecktes Leben am Meeresboden.
Da die Tiere ihr ganzes Leben wachsen, müssen sie sich regelmäßig häuten und dies bis zur Geschlechtsreife, nach etwa sieben Jahren, etwa 30 Mal.
Das Tier pumpt Wasser zwischen Haut und Panzer und bricht die sog. „Sollbruchstelle“ zwischen Kopf- und Rückenpanzer, zieht zuerst den hinteren Teil aus der Schale und streift dann den Kopfteil ab. So völlig von der Rüstung befreit werden alle Muskeln angespannt bis nach etwa einer Stunde die erste Verhärtung eintritt. Das Häuten ist eine gefährliche Angelegenheit, denn die Körperflüssigkeiten locken Fische und auch andere Krebstiere an, denn ein Panzer aus Chitin und Kalk, ist ein Leckerbissen, aber auch der frisch gehäutete Krebs ist in Gefahr.

Die größte Gefahr bleibt aber der Kochtopf.

Axel Sabac (Biologe im Württembergischen Tauchsportverband)