Es war schon immer mein Wunsch, einmal im Roten Meer auf der anderen Seite von Ägypten zu tauchen, aber da das Königreich von Saudi-Arabien ablehnend gegenüber den Einflüssen von Außen, so gut wie keinen Tourismus zuließ, war es bisher unmöglich diese unberührten Gebiete zu erreichen. So langsam öffnet sich das Land für Tourismus und ein Wunsch ging in Erfüllung: In Anzeigen von Tauchreisenveranstalter liest man von „Unwägbarkeiten, Überraschungen, Teilnahme auf eigene Gefahr, keine Gewährleistung oder Ersatzansprüche“, denn eine Reise in ein Land, das nicht gerade demokratisch regiert wird, die „Scharia“ als Grundlage der Rechtssprechung gilt, bei 85% Analphabetentum (1975), einer Sprache, die man nicht versteht, ist auch heute etwas abenteuerlich. Im Internet fand ich ( ) ein Safari-Schiff für eine Wochenausfahrt zu den „Farasanbanks“. Dieses Tauchgebiet liegt in Höhe des Sudan und Äthiopien auf der anderen Seite des Roten Meeres. 5 ½ Std. mit der „Saudi-Air“ ab Frankfurt über Genf nach Jeddah -2 ½ Std. Transfers nach „Al Lith“ im Süden von Jeddah. Jeddah ist Zielflughafen für Mekkapilger und der Airport ist eine Domäne für Männern. Moslemische Frauen sind von tiefverschleiert mit weiten, schwarzen Umhang und Kopftuch anzutreffen, aber auch westlich orientierte Jeansträgerinnen sind zu sehen. Wir haben uns nach den Gepflogenheiten des Landes gerichtet und die Taucherinnen des Bootes trugen die leihweise zur Verfügung gestellten schwarzen Kleidungsstücke. Somit wurde so manchem „Männerblick“ Einhalt geboten. Unbedingt einzuhalten ist das Einfuhrverbot von Alkohol – Todesstrafe auf Drogenhandel! Die Stadt Jeddah (auch Djidda, Jidda, Jedda) ist ein unfassbares Konglomerat von Menschen, Bauten, Industrie. Nebeneinander stehen Paläste, Ruinen, Hotels, Designergeschäfte, Straßenhandel, Müll, Rasen, Trampelpfade, Marmorpflasterungen, sechs/acht spurige Ausfallstraßen, stolze Saudis, Menscher aller Couleur, Männer in Teestuben, Hektik, bestialischer Gestank, – es ist nicht zu beschreiben. Die Dream Voyager
–Unterdeck mit 2 Kabinen als Doppelbett und 6 Kabinen mit je 4 Betten (Stockbetten), wobei diese Kabinen nur doppelt belegt werden. Somit hat man sehr großen Stauraum.3 Toiletten mit Duschen. -Mittelbau mit Salon, TV, Air-Con (wir haben darauf verzichtet und die großen Fenster geöffnet), heiß/kalt Wasserspender, Espressomaschine, Kaffee, Tee, Kühlschrank für Softdrinks, immer großer Obstteller mit div. Früchten, obere Plattform -Stauraum für Tauchergerödel und Flaschen, 1 WC/Du., 2 Handbrausen auf der Taucherplattform, Spültonnen für Automaten/Masken und Kameras, Füllstation. -Oberdeck ½ Sonnendeck und ½ beschattete Fläche. 6 Mann (philippinische) Crew, die sehr aufmerksam, zurückhaltend und behilflich war. Anlegemanöver wurden ohne übliches Geschrei durchgeführt. Es wurde nur englisch gesprochen. Der Tauchguide (Nelson) konnte beim Briefing sehr schöne Skizzen malen, die aber manchmal nicht ganz den Tauchplätzen entsprachen. Es ist also etwas taucherische Erfahrung (** und Orientierung Voraussetzung) -Verpflegung war immer ausreichend: Frühstück mit Eier, Wurst, Käse, Tomaten, Gurken, Nutella, Weiß- und Fladenbrot. Zum Lunch und Dinner abwechseln Nudeln, Pommes, Reis, Rind-, Kamel- und Hühnerfleisch, Fisch, Gambies, Gemüse, Salate in Selbstbedienung. Kräcker und Kekse stets nach belieben. Auf der gesamten Küstenlänge von ca. 4.500 km fährt noch ein baugleiches Schwesterschiff im Norden und 6 Tagesboote von Jeddah ab
Die Tauchplätze Der Kapitän fragte mich, an welches Riff wir fahren wollen und ich sagte: „zu jedem Riff“, denn ich freute mich auf jeden Tauchgang, denn wir hatten 29 bis 31° C Wassertemperatur bei einer Sichtweite von 30 bis 40 m und wie sich herausstellte – völlig intakte Riffe. Es war fantastisch; es herrschte eine Korallenwelt wie es in Lehr- und Fotobüchern beschrieben ist. Hier stimmten die Zonierungen der Korallen: bis 12/15 m lebten alle Steinkorallen, leuchteten in allen Farben. Im oberen Riffbereich stehen die kleinwüchsigen Steinkorallen (Favii, Mussidae) in großer Vielzahl der Gattungen und Arten als Wellenbrecher. Es folgen die Geweih-, Himbeer-, Griffel- Tischkorallen (Acroporidae, Pocillopora, Montiporae), dazwischen Schwämme in allen Farben und Formen, Gorgonien und farbenprächtige Weichkorallen wachsen in dem nicht so wellengefährdeten Bereich. Die Vielfalt dazwischen, an Unterhängen ist so, wie es in den Jahren 1980 in Büchern und Erzählungen geschildert wurde. Dies ist auch die Heimat von Jung- und Schwarmfischen. Schwärme beginnen ab 80 – 120 Tiere. Was mir auffiel war, dass es juvene- und adulte Tiere gab, aber die „Halbstarken“ (gemischte Weidegänger) fehlten. Auch bei den Nachttauchgängen waren kaum Niedere Tiere zu finden. Dennoch waren alle Taucher von der Güte der Riffe als dropp Off, Terrassen, Höhlen mehr als begeistert. Auf Grund des warmen Wassers waren außer großen Rudel von Büffelkopf kaum Großfisch zu sehen. Bei starker Strömung erlebten wir Grau- und WSP-Haie, vereinzelt Barakuda und Mantas. Die einsamen Sandinseln sind Brutstätten von Schildkröten, die wir in allen Größen erlebten; täglich stürzten wir ins Wasser, um Delphine zu sehen. Auf der gesamten Küstenlänge von ca. 4.500 km fährt noch ein baugleiches Schwesterschiff im Norden und 6 Tagesboote von Jeddah ab.
Fazit Saudi-Air (Boing 777) o.k, kleiner Umweg über Genf. Volles Chaos am Airport in Jeddah, aber mit „Flugerfahrung, Geduld und Durchsetzung“ ist auch dies zu bewerkstelligen. Schiff o.k., - 3½ Sterne im Vergleich zu Ägypten, Voraussetzung: z.T. Strömungen und freies Tauchen (50 Tgs., CMAS ** oder ähnlich. Traumhaft schöne Tauchplätze, keine anderen Boote, Unbedingte Alternative zu Ägypten. Schwierig ist die Visabeschaffung. Reisepass: Noch 6 Monate gültig, ohne Israel-Eintragung. Visum (65,-€ extra) 6 Wochen vor Abflug bei der Botschaft in Berlin zu beantragen. Einzeleinbuchung so gut wie nicht möglich, da über die Airline und die Botschaft die Einreise der Pilger gesteuert wird Komplettpreis: 1.390.-€ für 1 Woche. Reisezeit: Bis April –sicherlich Großfisch, aber kalter Nordwind Oktober/November ideal
Der Kapitän zeigte mir auf dem CPS verschiedene Ankerplätze, die noch nicht betaucht sind und diese fantastischen Riffe will ich im Oktober 2006 nochmals erleben.
Axel Sabac (Biologe im würtembergischen Tauchsportverband)
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